Common Craft-Gründer LeFever: "How-to-Videos explodieren"

How-to-Videos gibt es ja schon länger. Aber den Durchbruch dieser Gattung im Web verbinden viele Experten mit dem Namen Common Craft, einer kleinen Kreativschmiede von Lee & Sachi LeFever in Seattle. Die Erfolgsgeschichte beginnt 2007, als Lee in einer Konferenz sitzt und merkt, dass ein CEO seine Zuhörern den Begriff RSS (Really Simple Syndication) nicht zufriedenstellend erklären kann. Er setzt sich an seinen Schreibtisch und entwickelt ein Format, in dem abstrakte Zeichnungen und Personen, auf weißen Untergrund bewegt, Begriffe und Fragen einfach erklären sollen. Wie Lee und Sachi das konkret in Ihrem Homeoffice machen und warum ein Video im Schnitt drei Tage dauert, haben sie – natürlich – in einem Film erklärt.

Als das sympathische Ehepaar, dessen Werke mittlerweile mehrfach renommierte Auszeichnungen erhielten, vor sechs Jahren „RSS in Plain English“ auf YouTube stellte, brachten sie einen Stein ins Rollen. Das Video entwickelte sich binnen weniger Tage zum absoluten Viral-Hit. Das mittlerweile populärste Video von Common Craft „Twitter in plain english“ verzeichnet bis heute 2,8 Millionen Abrufe allein auf YouTube. Aber natürlich erklären die Macher von Common Craft viel mehr Begriffe. Über 55 Videos stehen bisher online, u.a. auch ein Film, der beschreibt, was Google docs sind:

ErklärVideo.com hat Common Craft-Gründer Lee LeFever nach seiner persönlichen Einschätzung des Marktes heute und in Zukunft gefragt:

„Eine Explosion bei der Nutzung von How-to-Videos“

Lee, was hat Sie 2007 bewogen Common Craft zu gründen?

LeFever: Ich wollte, dass mehr Menschen, Dinge besser erklären können. Es ist mir wichtig, dass wir die Welt, in der wir leben und arbeiten, zu einem Ort machen, den wir besser verstehen. Alles begann eigentlich mit meinen populären Blogs „RSS in Plain English“ und „Wikis in Plain English“. Durch sie entdeckte ich, dass ich eine wirkliche Begabung darin habe, komplexe Dinge für Anfänger zu erklären. Die konkrete Idee, aus den Blogs Videos zu machen, entstand in Barcelona während Sachis und meiner einjährigen Weltreise. Schon unser erstes Video „RSS in Plain English“ wurde ein viraler Hit.

Wie unterscheiden sich heutige How-to-Videos von ihren Vorgängern?

LeFever: How-to oder Educational Videos gibt es schon seit Jahrzehnten. Doch früher orientierten sich die Filme stark an Fernseh- oder Kinoproduktionen. Auch die Nutzer waren Beiträge in Spielfilmlänge gewohnt, die man in bequemen Stühlen vor dem Fernseher konsumierte. Inzwischen hat sich das Nutzerverhalten grundlegend geändert. Heute müssen Erklärvideos viel kürzer und prägnanter sein, weil sie online konsumiert werden und weil sich auch das Userverhalten grundlegend verändert hat. Studien haben gezeigt, dass Onlinevideos nur selten länger als ein paar Minuten dauern dürfen. Und da heutzutage die Tools billiger und leichter einzusetzen sind, erleben wir zurzeit geradezu eine Explosion bei der Nutzung von How-to-Videos.

Wie schätzen Sie die Zukunft von How-to-Videos ein?

LeFever: Sie sieht rosig aus. Unserer Erfahrung nach sind How-to-Videos inzwischen ein nicht mehr wegzudenkender Teil der Online-Videowelt. Es gibt einfach unzählig viele tolle Möglichkeiten, anderen mit dieser Form zu zeigen, wie sie eine Aufgabe lösen können. Doch bei Common Craft haben wir auch viele neue Ideen zur Weiterentwicklung des klassischen How-to-Videos. So stellten wir uns beispielsweise die Frage, wie es wäre, wenn wir nicht wie, sondern warum fragen? Antworten auf Fragen wie „Macht es Sinn?“ oder „Warum soll ich mich damit beschäftigen?“ könnten helfen, Menschen zum Lernen zu motivieren.  Ich hoffe, dass in Zukunft mehr Videos und Medien ihren Schwerpunkt auf diese Art der Weiterbildung setzen.

Common Craft bietet eine einzigartige Video-Bibliothek an – was muss man sich darunter vorstellen und wer nutzt sie?

LeFever: Common Craft bietet Mitgliedern die Möglichkeit, unsere umfangreiche Video-Library zu nutzen. Unsere Abonnenten sind vorwiegend Menschen, die technisches Wissen vermitteln – also Lehrer, Trainer, Bibliothekare oder Berater. Sie nutzen unsere Bibliothek mit How-to-Videos für ihren Unterricht – im Klassenzimmer oder im Web. Wir bieten außerdem eine Bibliothek mit über 1000 „Cut-outs“. Hier können unsere Kunden einzelne Bausteine downloaden, um aus ihnen selbst Videos im Stil von Common Craft zu erstellen.

Bisher ist Common Craft ja ein reiner Familienbetrieb, bestehend aus Ihnen, Ihrer Frau und Hund Bosco – planen Sie eine Expansion?

Wir lieben es, ein kleines Unternehmen zu sein. Und unser Hund Bosco erwirbt langsam ebenfalls die nötigen Fähigkeiten, um wichtige Beiträge zu leisten. Er besitzt bereits einen Account auf Twitter. Als Maskottchen von Common Craft, versteht sich.

2018-10-09T18:22:13+02:00 10. Juni 2014|

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